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Andacht zu Lukas 10, 21f.

 
 

© knipseline / pixelio

Zu der Stunde freute sich Jesus im Heiligen Geist und sprach: Ich preise dich, Vater, Herr des Himmels und der Erde, weil du dies den Wesen und Klugen verborgen hast und hast es den Unmündigen offenbart. Ja, Vater, so hat es dir wohlgefallen. Alles ist mir übergeben von meinem Vater. Und niemand weiß, wer der Sohn ist, als nur der Vater, noch, wer der Vater ist, als nur der Sohn und wem es der Sohn offenbaren will.

Vielleicht hast du solche Meinungen auch schon gehört: Wenn es darum geht, dass das Heil allein in Jesus Christus liegt, dann kann man schnell den Vorwurf hören, dass man intolerant sei. Oder vermeintlich gebildete Menschen gehen ganz klar davon aus, dass alle Religionen das Ergebnis menschlichen Nachdenkens über Gott sind. Und wieso sollte da irgendjemand meinen, er sei klüger als die anderen und seine Religion die einzig richtige?! Wir glauben letztlich doch alle an den gleichen Gott!

Sollten wir als Christen also vielleicht den Mund doch nicht so voll nehmen, sollten wir den christlichen Glauben vielleicht doch nur als einen Weg zu Gott unter vielen verkündigen?

Wenn wir das tun, nehmen wir nicht ernst, was Jesus Christus in diesem Bibelwort sagt. Jesus selber macht deutlich, dass es im christlichen Glauben nicht um kluge Gedanken geht, die Menschen sich über Gott machen. Die klugen Gedanken der Menschen vermögen den lebendigen Gott eben gerade nicht zu erfassen, sondern führen immer wieder an Gott vorbei, erschaffen sich ein Bild von Gott, das mit dem realen Gott gerade nichts zu tun hat. Und das gilt gerade auch für all diejenigen, die scheinbar wissend behaupten, alle Menschen würden doch an denselben Gott glauben. Was zunächst logisch klingt, beweist in Wirklichkeit nur, dass man sich mit seiner eigenen, bequemen Vorstellung von Gott zufrieden gibt und sich lieber nicht mit dem Gedanken befasst, dass sich der lebendige Gott tatsächlich ganz konkret uns Menschen zu erkennen gegeben hat.

Jesus behauptet, dass er nicht nur religiöser Lehrer, sondern der Sohn Gottes des Vaters ist. Er allein kennt den Vater und kann aus dieser Anschauung heraus etwas über Gott den Vater sagen. Wo er, Jesus ist, da ist Gott selber zu sehen, da ist Gott selber gegenwärtig. „Selig sind die Augen, die sehen, was ihr seht!“ – So verkündigt es Jesus hier seinen Zuhörern im nächsten Vers. Dabei sahen die Menschen ihm seine Gottessohnschaft nicht an. Dass er wirklich der Sohn Gottes ist, der da vor ihnen steht, das vermochten die Menschen nur zu erkennen, wenn sie auf sein Wort hörten, wenn sie dieses Wort ernst nahmen, ja, wenn Christus selber ihnen durch dieses Wort die Augen für ihn, für seine Person öffnete, sich ihnen offenbarte, wie es hier heißt.

Auch wir sehen in unserem Gottesdienst nichts Überragendes: u.a. eine Predigt, Hostien und Wein. Alles so wenig beeindruckend wie der Anblick dieses Jesus von Nazareth damals für seine Zuhörer. Doch Jesus öffnet uns auch heute Augen und Ohren, gerade nicht, weil wir so klug wären, sondern gerade weil wir nicht versuchen, mit unserer eigenen Klugheit an Gott heranzukommen. Wir dürfen hören, wie der lebendige Gott durch menschliche Worte zu uns spricht, dürfen in den Gestalten von Brot und Wein den ewigen Gott erkennen und ihn in uns aufnehmen. Wir dürfen seit dem Pfingstfest wissen, wer Gott ist: Der Vater, der seinen Sohn für uns in den Tod gibt und uns dies durch seinen Heiligen Geist erkennen lässt. Dies kann und soll uns zu einer Freude führen, die uns davon abhält, den lebendigen Gott mit allen möglichen anderen religiösen Gottesvorstellungen gleichzusetzen. Diese Freude soll uns dazu drängen, die frohe Botschaft von dem nahen, liebenden Gott allen Menschen zu verkündigen. Keine Theorie bringt uns Gott näher, sondern der Heilige Geist, der uns die Liebe Gottes in seinem Sohn Christus offenbart.

Gott segne uns zur Erkenntnis unseres Herrn Jesus Christus,
Ihr Pfr. Hans-Hermann Holst

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